100% Ja

Ich habe in meiner Jugend lange gedacht, Frauen finden Sex nicht so gut. Männer wollen halt Sex, und Frauen machen mit, wenn sie den Mann gut finden, wenn er alle Tricks kennt, dann, na gut, dann gibt es eben Sex.

Die ganzen Tipps aus der Cosmopolitan meiner Mutter, wie man als Frau Sex genießen kann (statt, so ergänzte ich im Kopf, wie normalerweise eben keinen Spaß dran zu haben), die Anmach-Hinweise, diese Sache wo Frauen den Männern als Strafe Sex entziehen, alles sprach dafür: Männer wollen Sex haben, Frauen machen mit oder eben nicht. Frauen kontrollieren den Zugang zu Sex, Männer suchen ihn.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich rausgefunden habe, dass das Blödsinn ist.

Seitdem ich mich mehr mit Feminismus beschäftige, kriege ich natürlich auch immer mal wieder Diskurse mit, die mich gedanklich sehr bereichern, so zum Beispiel die Entwicklung weg von „Nein heißt Nein“ (das war so in den 80ern, schätze ich, der Spruch über Frauen und das Respektieren ihrer Grenzen) hin zu „Ja heißt Ja – und alles sonst heißt eben nicht Ja“.

In meiner Twitter Timeline war letztens ein schönes Poster zu eben diesem Thema „Consent“, also beidseitiger Zustimmung, und Elise Gravel war so lieb mir zu erlauben, es zu übersetzen (sie gibt das Poster frei für persönliche Zwecke, nicht aber für gewerbliche).

Wie so oft geschah dann, was eben geschieht, wenn man sich einer Sache zuwendet: man entdeckt mehr davon, beziehungsweise wird man im Zusammenhang mit dieser Sache entdeckt, und meine liebe Mitbewohnerin schickte mir einen coolen Artikel.

Darin geht es um einen Mann namens Dave Booda, dem eine Frau nach dem Sex sagt: Du hast mich vergewaltigt.

Was für ihn ein ziemlicher Schock war, denn er hatte (im Grunde zurecht) das Gefühl, an keiner Stelle über eine Grenze gegangen zu sein. Kein Nein, kein Abrücken, kein Festhalten von Kleidung, er war ganz sicher, da war keine Ablehnung.

Stimmt auch, aber im Gespräch (das beide coolerweise geschafft haben, ich stell mir vor das war für beide ein ziemlicher Hammer) hat er verstanden: es gab halt auch keine Zustimmung…

Sehr lohnenswerter Artikel, vor allem weil sich der Autor nicht darauf stürzt, ob der Straftatbestand jetzt erfüllt ist, ob das Wort passt, sondern nur versucht zu verstehen, vor welchem Hintergrund das passiert ist. Und der Hintergrund ist, würde ich sagen, der selbe, vor dem ich in meiner Jugend dachte, Frauen mögen keinen Sex: eine große Stille von Frauen zu diesem Thema, weil es leider kein sicheres Thema ist.

When women don’t feel safe, they don’t want to have sex. Then because no one is having sex it becomes scarce, and men chase after it more, and women withhold it more, and we have to play games to coerce each other to get something we both already wanted in the first place.

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