Raphaelstrada

Zweifel und Fiktion

Meine letzte aktive Blogzeit ist lange her, aber eigentlich war das schön… So ein Zuhause im Internet, wo ich nicht sofort mit Petitionen, Kriegsbildern und Cat Content beworfen werde, wenn ich von etwas berichten will, ein Ort, wo es um meine Themen geht und Leute mitmachen, wenn sie die auch mögen.

Jetzt musste ich lange überlegen, wie es heißen soll… Damals ging es ums Lieben, und irgendwann hat mich diese Einschränkung gestört. Mich interessiert ja doch relativ viel, und Psychotherapie, Beziehung, Frisbee, Videospiele, Photographie, Zeichnen und soziale Konstruktion unter ein Dach zu bringen, braucht ein großes Haus.

Zweifel ist Schwierigkeit und Anspruch zugleich. In Beziehung stört er mich oft, in Therapie finde ich ihn dagegen öffnend, und dominante Diskurse sollten viel, viel mehr in Zweifel gezogen werden. Wahrheitskonstruktion ohne Zweifel ist dogmatisch und vor allem langweilig. Es gibt ja kaum langweiligere Gesprächspartner als Leute, die sich ihrer Sache sicher sind.

Fiktion gefällt mir vor allem, weil es von lateinisch „fingere“ kommt, und das heißt so viel verschiedenes:

fingere (lat.) – bilden, darstellen, formen, gestalten, sich ausdenken

Wunderbar! Sowohl meine große Liebe zum Gestalten (von Leben, von Beziehung, von Menschsein) ist drin, wie auch das Thema des Ausdenkens, des Kreierens von zB Wahrheit: die ganze Welt ist fiktional. Darum ja auch Zweifel!

Und darüber hinaus freue ich mich, wenn ich vielleicht sogar doch mal selbst was fiktionales hier her bringe, Schreiben scheint mir schön. Wollte ich immer schonmal, und ein Blog ist keine schlechte Ebene.

In diesem Sinne: bis demnächst dann.

Titelbild von raphaelstrada/ flickr

5 Gedanken zu „Zweifel und Fiktion

  1. Wun-der-voll! Danke!

    Es ist vermutlich überflüssig, aber für den unwahrscheinlichen Falls, dass Du Dir dessen doch nicht bewusst warst, will ich es nicht unerwähnt lassen: Ich muss latürnich sofort an den Tocotronic Titel „Im Zweifel für den Zweifel“ denken. In besserer Gesellschaft kann man kaum sein.

    1. Tatsächlich hatte ich in diese Richtung gar nicht gedacht, ich kam rein aus dem Versuch, mein Verhältnis zur Wirklichkeit in Worten einzufangen. Aber natürlich ist es​ mir mehr als recht, dass ich dabei in gute Nachbarschaft gerate, die mir ja durchaus auch schon immer nah ist.

  2. Ah. Und noch eine Frage: Das Logo und Favicon … das sieht aus wie ein Hammerkopf mit einer Träne darunter, finde ich, vermute aber, dass es das wohl eher nicht sind. Da sind meine Sehgewohnheiten etwas von 40k beinflusst. Daher aber die Frage: Ist es etwas und wenn ja, was?

    1. ZuF, Ben! ZuF! Ich hab ein bisschen typographisch rumgespielt mit Zweifel und Fiktion, und das kam dabei raus. Ich fand, es hat auch was von einem Absatzzeichen, was mir auch gefallen hat, so von wegen Erzählungen und Bloggen.

      1. Ich hab’s gerade eben, als ich es als Dein Gravatar drüben bei mir gesehen habe auch erkannt. Sweet! Vielleicht den oberen Balken vom Zett noch etwas weiter rausragen lassen? Oder nur so stark wir den oberen der beiden Balken vom F. Nur so als Idee für mögliche weitere Versuche …

        Sehr schick aber! Und ich mag sogar die Hammer-und-Träne Assoziation!

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