Hellblade: Senua’s Sacrifice

Huiui, das Medium Videospiele wird in ganz großen Schritten erwachsen… Hellblade hat mit klassischer Unterhaltung nicht mehr viel zu tun, das ist düstere, schwere Literatur.

Senua ist auf einer (scheinbar aussichtslosen) Reise, um eine geliebte Person aus Helheim zurück zu erbeten, dem nordischen Reich der Toten. Das besondere an diesem irgendwie doch klassischen Plot (allein gegen die Welt, diesmal halt die nordisch mythologische) ist die Hauptfigur.

Senua leidet

Die Macher des Spiels haben die Entscheidung getroffen, dass die keltische Kriegerin nicht nur in schwierigen äußeren Umständen steckt, sie ist auch geplagt von enorm schweren inneren Umständen: Senua hört Stimmen, hat Halluzinationen, Ängste und mutmaßlich auch viele andere düstere Erlebnisse. All das ist fantastisch umgesetzt, die Stimmen kommen (dank Dolby oder Kopfhörern und binaural sound) von überall her, sie reden schlecht über Senua, verlieren mal die Hoffnung, mal feuern sie an, und manchmal übernehmen sie die Rolle eines Erzählers (there, it’s clear to see, but she isn’t looking / why isn’t she looking / focus! She must focus!).

Das ist bedrohlich und funktioniert hervorragend… Schreckliche Erfahrung, und meine Hochachtung vor Menschen, die unter der Fuchtel einer Psychose stecken, wächst mit jeder Spielstunde.

Senua überzeugt

Das ganze klappt besonders gut, weil die Spielfigur sowohl mimisch wie körpersprachlich mit Motion Capture animiert wurde: hinter jedem Ausdruck steckt eine tatsächliche schauspielerische Leistung, und das merkt man.

Das ist besonders beeindruckend, wenn man weiß, dass das zuständige Team des Entwicklers Ninja Theory hinter Hellblade sehr klein ist und die meisten Sachen nicht – wie sonst üblich – woanders in Auftrag geben konnte, sondern mit wilden Basteleien selbst hergestellt hat. Wer neugierig ist, es gibt eine Serie von Entwicklungsvideos, wo die sich über die Schulter gucken lassen (In Folge 10 geht es um motion capture).

Verstörend

Senuas Darstellung zusammen mit der Tatsache, dass einfach alles in der Welt bedrohlich und übermächtig wirkt, ergeben eine Erfahrung, die ich sonst nur aus Büchern kenne.

Hellblade ist kein Spiel im Sinne einer spielerischen Freude, noch nicht mal im Sinne eines Spiels mit Regeln. Hellblade ist eine Erfahrung, es vermittelt das Erleben von Psychose und Furcht und Ausgeliefertsein (und kleine Momente von Triumph gegen diesen Horror), und ich habe zwar Angst, weiterzuspielen, aber finde es einfach unfassbar gut.

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